top of page
Zerbst, Anhalt, News, Events, Blog, Katharina die Große,

Wie die Dorfkirche Polenzko zur Weihnachtskirche wurde - Pfarrer Thomas Meyer & Olga Sommer erin

Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele kleine Dorfkirchen wie in Mitteldeutschland. Um die kleinen Gotteshäuser wieder in den Fokus der Menschen zu rücken, wurden einige davon zu Themenkirchen umgestaltet. Eine davon ist die Dorfkirche in Polenzko. Wie sie zur Weihnachtskirche wurde und damit große Aufmerksamkeit auf sich zieht: Pfarrer Thomas Meyer und Olga Sommer erinnern sich.

Von Thomas Kirchner

"Irgendwann stand Horst Sommer in meinem Büro und wollte in die Kirche eintreten", schmunzelt Pfarrer Thomas Meyer. Meyer erinnert sich, das das der Horst Sommer ist, dessen Garten riesige geschnitzte Figuren zieren. "Gerne, wenn sie mich zum Kaffee einladen", entgegnete der Pfarrer spontan. Am Kaffeetisch erzählte Pfarrer Meyer von einer Idee, verriet den Sommers aber noch nicht um was es geht. Stattdessen lud er das Ehepaar in die Kirche nach Polenzko ein und hat ihnen dort die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Am Ende der Geschichte fragte der Pfarrer das pensionierte Lehrerehepaar ob sie sich vorstellen können, für die kleine Kirche eine Weihnachtskrippe zu bauen.

Den Garten von Olga und Horst Sommer zieren viele Figuren, die Horst Sommer selbst gefertigt hat. I Foto: Thomas Kirchner

Olga Sommer und Pfarrer Thomas Meyer sitzen nun da wo alles begann, in der Kapelle des kleinen romanischen Gotteshauses in Polenzko, in der zweiten Reihe. "Hier hat uns der Pfarrer die Weihnachtsgeschichte vorgelesen", erinnert sich Olga Sommer. Das war vor sieben Jahren. Sie ist nachdenklich und sichtlich gerührt. Ihr Mann, der im Januar 2015 verstorben ist, hatte am vergangenen Sonntag Geburtstag. Er wäre 81 Jahre alt geworden, und in Kürze ist Heiligabend. Das sind drei magische Daten kurz hintereinander, die traurig machen. Dennoch empfindet Olga Sommer Freude und ist tief bewegt, das noch immer an ihren Horst gedacht wird, vor allem an das, was er geschaffen hat.

Olga Sommer und Pfarrer Thomas Meyer sitzen nun da wo alles begann, in der Kapelle des kleinen romanischen Gotteshauses in Polenzko, in der zweiten Reihe.

Foto: Thomas Kirchner

"Als mich Horst Sommer fragte wie groß denn die Figuren werden sollen, antwortete ich, groß, sehr groß", schildert Pfarrer Thomas Meyer sein Gespräch mit Sommer. Der Pfarrer hat schwere Geschütze aufgefahren um die Sommers von seiner Idee zu überzeugen. Das Lesen der Weihnachtsgeschichte trug maßgeblich dazu bei, das das Lehrerehepaar zusagte die Krippe zu bauen. "Mir war schon klar, dass das Projekt nicht in ein paar Tagen oder Wochen realisiert ist, und das ich Horst Sommer da für einige Zeit mit Arbeit versorgt hatte", gesteht Meyer. "Es war eine Premiere. Noch nie hatte eine Figur unser Grundstück verlassen. Das war das erste Mal, dass mein Mann Figuren fertigte, die außerhalb unseres Gartens stehen sollten", lächelt Olga Sommer. Die biblischen Protagonisten, deren besonders in der Weihnachtszeit in Geschichten und Theaterstücken gedacht wird, sind in Polenzko gewissermaßen auferstanden - als überlebensgroße Figuren aus Lindenholz. Die Mutter Jesu misst 2,95 Meter, ihr Mann Josef, der als erster fertig war, gar etwas mehr als drei Meter. Auch das Baby in der Krippe hat eine stolze Größe. Mithin besitzt das kleine Dorf nun die wohl größte Weihnachtskrippe Deutschlands.

Die Mutter Jesu misst 2,95 Meter, ihr Mann Josef gar etwas mehr als drei Meter. Auch das Baby in der Krippe hat eine stolze Größe. I Foto: Thomas Kirchner

Maria und Josef waren einst auf dem Roßlauer Marktplatz zu Hause. Die Bäume für die Hirten kamen aus Zerbst und Steutz. Zweieinhalb Jahre hat Horst Sommer gewerkelt, bis die Krippe komplett war. 2011 zogen die letzten Figuren von den Sommers in die Kirche nach Polenzko um.

Die Bäume für die Hirten kamen aus Zerbst und Steutz. I Foto: Thomas Kirchner

"Mein Mann war sehr bescheiden. Angangs empfand er es befremdlich, wenn man ihn Künstler nannte", beschreibt Olga Sommer ihren verstorbenen Mann. "Doch mit der Zeit gewöhnte er sich daran und es machte ihn wohl auch ein wenig stolz", erzählt sie weiter. Oben entlang der Empore erzählen Bild.- und Texttafeln die Weihnachtsgeschichte. Ein großer geschmückter Christbaum ziert die Kapelle. Und vorn am Altar hat die überdimensionale Krippe ihr zu Hause gefunden.

Oben entlang der Empore erzählen Bild.- und Texttafeln die Weihnachtsgeschichte.

Foto: Thomas Kirchner

In einer Ecke neben der Weihnachtskrippe steht ein Notenständer mit einem dicken Buch. Olga Sommer blättert und liest. "Das ist das interessanteste Buch hier im Dorf, das Gästebuch der Weihnachtskirche", erklärt Pfarrer Meyer. Olga Sommer ist beeindruckt von dem Geschriebenen. Kirchenbesucher aus ganz Deutschland, Europa, ja aus der ganzen Welt drücken ihre Bewunderung und Wertschätzung gegenüber dem Künstler aus. Es finden sich Einträge beispielsweise aus Belgien, Äthiopien, Tansania oder Kanada. "Das hätte meinen Mann sehr gefreut", sagt Olga Sommer stolz.

Festlich geschmückt. Der Christbaum steht nur in der Weihnachtszeit in der Kirche.

Foto: Thomas Kirchner

Das kleine Gotteshaus im ganzjährigen Weihnachtsschmuck sorgt überregional für großes Interesse. Zeitungen aus ganz Deutschland haben über die Weihnachtskirche geschrieben. "Neben den regionalen TV-Sendern hat hier auch schon ein Fernsehteam von "Russia Today" gedreht", berichtet die Künstlerwitwe. Auch Sachsen Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) besuchte dieser Tage die Weihnachtskirche Polenzko. Der Landeschef war sichtlich beeindruckt von Horst Sommers Arbeiten. Olga Sommer erläuterte Haseloff wie ihr Mann die Figuren fertigte.

Am 21.Dezember war Sachsen Anhalts Miniterpräsident Reiner Haseloff in der Weihnachtskirche zu Gast. Olga Sommer erklärt Haseloff die Arbeiten ihres Mannes.

Foto: Thomas Kirchner

Was macht man eigentlich in einer Weihnachtskirche im Sommer? "Jesus Christus ist an Weihnachten geboren. Und er ist ja noch da, das ganze Jahr über. Die Kirche bietet die Gelegenheit sich abseits von blinkenden Lämpchen und Konsum mit der Weihnachtsgeschichte zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Und das tun viele Menschen, auch wenn nicht gerade Weihnachten ist", antwortet Pfarrer Thomas Meyer. Vielerorts wird nach Möglichkeiten gesucht, das Kulturgut "Dorfkirche" zu erhalten und den Menschen wieder zugänglicher zu machen. "Wir hatten eine geniale wie simple Idee. Schließt die Kirchen auf und werft die Schlüssel weg. Mit den offenen Themenkirchen ist das Interesse der Menschen an den kleinen Gotteshäusern auf dem Land wieder gestiegen", erläutert Meyer den Gedanken hinter den Themenkirchen.

Die Dorfkirche Polenzko wurde nach ihrer Umgestaltung zur Weihnachtskirche überregional bekannt. I Foto: Thomas Kirchner

Weitere Themenkirchen die der Förderkreis "Entschlossene Kirchen" des Evangelischen Kirchenkreises Zerbst initiiert hat, sind beispielsweise die "Osterkirche Trüben", die "Gesangbuchkirche Luso", die "Sonnenkirche Pülzig" oder die neueste, die "Bibelkirche Düben". Wer jetzt neugierig geworden ist, die Weihnachtskrippe, die Kirche ist rund um die Uhr geöffnet. Jeder der Interesse hat, kann hier ein wenig Ruhe vom Alltag genießen, wann immer er will.


Archiv
Schlagwörter
Folgen Sie uns!
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
bottom of page