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"Mehr als nur Lichtpunkte setzen" - Das Jahresinterview mit Bürgermeister Andreas Dittmann

„Mehr als nur Lichtpunkte setzen“ 2017: das Jahr der Gebührenerhöhungen / 2018: zahlreiche Baumaßnahmen starten in der Einheitsgemeinde

Das Highlight des Jahres war wohl das Prozessionsspiel auf dem Markt. Nicht nur der Bürgermeister war beeindruckt vom Zusammenspiel aller Beteiligten, sondern auch die Mitwirkenden und Zuschauer. Foto: Thomas Kirchner

Thomas Kirchner sprach anlässlich des Jahreswechsels mit dem Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD).

Thomas Kirchner: Wenn Sie heute, am letzten Tag des Jahre durch Zerbst gehen, wo hat sich die Stadt im Laufe des Jahres am meisten verändert?

Andreas Dittmann: Hier fällt die Fritz-Brandt-Straße/Jeversche Straße wohl am meisten auf. Noch vor wenigen Jahren von einigen fast abgeschrieben, tut sich hier Dank privater Investoren ordentlich was.

Und für Sie persönlich? Was hat Sie am meisten beeindruckt? Da gibt es eine lange Liste. Nehmen wir nur das Zusammenwirken der Walternienburger, ihren Ort fast lückenlos mit Herrnhuter Sternen zu schmücken, das ist mehr als nur Lichtpunkte setzen. Es bringt die Menschen zusammen. Und dann war da noch das Prozessionsspiel, das bei einer Rückschau auf 2017 natürlich nicht fehlen darf.

Werden die positive Resonanz und das Zusammenspiel aller Beteiligten aus der gesamten Einheitsgemeinde beim Prozessionsspiel nachwirken? Ich hoffe sehr, dass das Zusammenspiel länger trägt. Hier haben Menschen zusammen gefunden, die sonst wenig miteinander zu tun hätten, und haben gemeinsam etwas Tolles vollbracht. Es haben aber auch alle gespürt, dass die Begeisterung des Publikums und diese Gruppendynamik bei den Mitwirkenden keine solistischen Leistungen waren, sondern nur erreicht werden konnten, weil wir zusammen etwas geleistet haben. Eine solche Erfahrung muss einfach nachwirken.

Gibt es schon eine Abschlussrechnung? Hast sich das Prozessionsspielwochenende am Ende finanziell getragen, oder gibt es ein Loch in der Kasse? Alles, was an Leistungen eingekauft werden musste, wurde bezahlt und aus Zuschüssen, Sponsormitteln und Eintrittsgeldern finanziert. Es muss also keine Sorge bestehen, wir hätten hier Geld verpulvert oder in andere Projekte investieren können, alle eingesetzten Mittel waren zweckgebunden und wurden uns genau für diesen Zweck, nämlich der Neuinszenierung des Prozessionsspiels, zur Verfügung gestellt. Aber natürlich kommen auch viele Eigenleistungen aus dem Mitarbeiter- und Technikeinsatz von Bauhof und Verwaltung dazu, das ist aber bei jedem Stadt- oder Dorffest so.

Die obligatorische Frage muss einfach gestellt werden: Dürfen wir uns auf eine Neuauflage freuen, wann auch immer? Die Frage kann ich nicht beantworten. Es gibt viele gute Gründe dafür und dagegen. Schauen wir doch mal, ob und wie der Gedanke weiter getragen wird.

Wo hat es gehakt? Oder anders gefragt, welche Vorhaben konnten nicht umgesetzt werden oder stocken und warum? Na das war ja erst in den letzten Tagen zu lesen, dass wir uns alle eine schnellere Bearbeitung des Bundesantrags für den flächendeckenden Breitbandausbau gewünscht hätten, aber nun kann es ja los gehen. Auch auf der Nordseite des Bahnhofs hätte nicht nur ich mir einen schnelleren Ablauf gewünscht, aber auch hier sind wir nun auf der Zielgeraden. Lange hat uns auch die Einrichtung digitaler Klassenzimmer in allen unseren Grundschulen beschäftigt. Auch hier liegt nun der Bewilligungsbescheid vor und im Jahr 2018 erhält jede unserer Grundschulen ein digitales Klassenzimmer. Insgesamt war das Jahr 2017 für viele Projekte eher ein Jahr der Vorbereitung. Es wird darum 2018 an vielen Stellen etwas passieren.


Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). Foto: Thomas Kirchner

Nun gab es 2017 einige Beschlüsse des Stadtrates, die den Bürgern im Zuge der Haushaltskonsolidierung höhere Beiträge und Gebühren auferlegen, sprich Hundesteuer, Parkgebühren, Friedhofsgebühren, die Beteiligung der Vereine an den Betriebskosten der Sportstätten und natürlich die Kita-Gebühren. Sind wir jetzt durch, oder setzt sich das im neuen Jahr fort? Ich hoffe, dass wir jetzt durch sind. Wir können nicht unendlich an diesen Schrauben drehen. Das waren keine leichten Beschlüsse, aber sie versetzen uns in die Lage, in den kommenden Jahren einerseits den Haushalt zu sanieren und andererseits die vielen Leistungen, die wir als normal empfinden, weiter halten zu können und investieren gleichzeitig in die Infrastruktur in unseren Orten.



Stichwort Kinderförderungsgesetz (Kifög): Was erwarten Sie von der Neufassung und ist mit Entlastungen für die Eltern zu rechnen? Die vor wenigen Tagen vom Landtag beschlossene kleine Novelle bedeutet gerade keine Entlastung. Statt der versprochenen 30 Millionen sind durch gleichzeitiger Entnahme von 23 Millionen Euro nämlich nur 7 Millionen übrig geblieben und die dämpfen lediglich den Kostenanstieg. Ich kenne keine Kommune, in der dadurch die Kosten sinken. Ich glaube auch nicht an eine großartige Neufassung des Kifögs. Hier liegen die Koalitionspartner so weit auseinander, dass mir eine Einigung nicht möglich erscheint. Aber auf Zerbst bezogen hoffe ich, dass wir die Elternbeiträge länger als nur ein, zwei Jahre stabil halten können.

Bleiben wir noch einen Moment bei der Kinderbetreuung. Ist eine Entspannung bei der Anzahl von Hortplätzen in Sicht? Dazu gab es vor wenigen Tagen intensive Gespräche mit dem Landkreis, und es konnte eine Einigung erzielt werden. Das leerstehende Verwaltungsgebäude am Fischmarkt wird zum Hort für die Grundschule „An der Stadtmauer“ umgebaut. Dadurch entstehen rund 40 zusätzliche Hortplätze, momentan sind es 140, im neuen Hort werden es dann 180 sein. Dadurch werden natürlich auch Kapazitäten in der Kita „Zerbster Strolche“ für Kindergartenangebote frei.

Wie sieht es bei den Kitas in den Ortsteilen aus? Hier wird die Kita in Garitz im kommenden Jahr energetisch teilsaniert. Außerdem hoffen wir auf einen Förderbescheid in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus dem Stark-III-Programm. Mit diesem Geld soll die Kita in Lindau eine Komplettsanierung erhalten.

Ein Projekt, das in den letzten Monaten angekurbelt wurde, betrifft die Sanierung und Umnutzung des Frauenklosters. Wann ist Baustart? Derzeit läuft der Bauantrag und der Antrag auf Freigabe der Fördermittel aus dem Stark V-Programm. Ich gehe davon aus, dass 2018 die Handwerker ihre Arbeit aufnehmen können.

Stichwort Breitbandausbau. Werden heute in einem Jahr alle Bewohner der Einheitsgemeinde über schnelles Internet verfügen? Dazu ist ja nun schon viel gesagt worden. Im Frühjahr 2018 geht es los und im ersten Halbjahr 2019 soll alles abgeschlossen sein.

Nun gibt es in Zerbst einige Baustellen, wo die Stadt, sagen wir mal wenig Einfluss auf den Fortlauf der Dinge hat, Beispiel Breite - AWO, Fritz Brandt Straße / Ecke Breite - KmB oder der Dauerbrenner Bahnhofsgebäude. Ist die Stadt mit den Eigentümern im Gespräch, ob und wann hier etwas passiert? Ich hake regelmäßig bei der AWO nach, wann und wie es weitergeht, denn natürlich ist der entstandene Zustand auf dem Baufeld unerträglich. Am 20. Dezember erhielt ich diese Antwort: „Die AWO Soziale Dienste hält weiterhin an dem Bauvorhaben fest. Allerdings führen die aktuelle Baupreisentwicklung und eine notwendige Neukalkulation des Projektes zu zeitlichen Verzögerungen. Die AWO Soziale Dienste geht davon aus, dass über die Konkretisierung des Vorhabens im ersten Quartal 2018 informiert werden kann.“ Ende des Zitats. Beim Bahnhof werden wir gemeinsam mit Bahn und NASA weiter auf Verbesserungen drängen, aber der Eigentümer ist weit weg. Für die Freifläche Fritz-Brandt-Straße-Breite sucht der Eigentümer KmB nach einem Investor mit einer umsetzbaren Idee, noch ein Supermarkt wäre nicht genehmigungsfähig und ist auch von uns nicht gewollt.

Was ist eigentlich aus dem Lückenschluss am Markt und dem dazugehörigen Projekt auf dem Areal der Jüdenstraße geworden? Hier hat der Stadtrat am 20. Dezember den Verkauf des betreffenden Gründstücks an den Investor – der gleichzeitig auch Bauherr und Betreiber des Projektes ist – beschlossen. Auf dem Markt entstehen zwei Gebäude mit barrierefreien Wohnungen. Die sollen sich an der historischen Bausubstanz orientieren, wie der Gebäudehöhe und Fassadengestaltung. Auf dem Areal der Jüdenstraße entsteht eine Pflegeeinrichtung. Die neuen Gebäude auf dem Markt werden einen Durchgang zur Jüdenstraße und zur Pflegeeinrichtung erhalten. Im März sollen hier die archäologischen Grabungen beginnen. Parallel dazu soll das Bauantragsverfahren laufen, so dass noch 2018 mit dem Bau begonnen werden kann.

Stichwort: Katharina-Forum, Katharina-Ball. Was versprechen Sie sich im Bezug auf die Stadt von diesen beiden Veranstaltungen? Hier gibt es natürlich mehrere Ziele. Im Mittelpunkt steht der Beitrag zur Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen. Da können wir eben auch einen Beitrag leisten. Botschafter Wladimir Grinin bezeichnete uns in diesem Zusammenhang als Volksdiplomaten, da ist etwas dran. Wir können und wollen aber vor allem mit dem Thema Katharina II. punkten und darüber das Interesse für uns wecken bzw. verstärken. Außerdem gibt es in Russland ein ungebrochen hohes Interesse an Katharina II., das wollen wir nutzen und darüber eben auch Partner für Bauvorhaben und Ausstellungsprojekte im Schloss gewinnen.

Wer hat seine Teilnahme bereits zugesagt? Das Büro des Ministerpräsidenten und auch der Wirtschaftsminister haben ihre Mitwirkung bestätigt. Aufmerksam machen darf ich schon heute auf die öffentliche Abendveranstaltung des Forums am 31. Mai. Hier konnte über einen Sponsor die Mitwirkung des Pianisten und Dirigenten Justus Frantz mit seiner Philharmonie der Nationen gewonnen werden. Auf russischer Seite wird derzeit für die Teilnahme von mehreren Gouverneuren und Vertretern aus der Wissenschaft und vor allem von Startups geworben. Hier gibt es vielversprechende Signale.

Was sind die großen und kleinen Projekte, die 2018 in der Einheitsgemeinde in Angriff genommen werden sollen? Das wird eine längere Liste. Im Straßenbau startet die Sanierung der Karl-Marx-Straße, der Käsperstraße sowie der Friedensallee. Das Thema Breitband habe ich schon genannt, die Klostersanierung wird beginnen, wir werden erhebliche Mittel in die Verbesserung unserer Fußwege stecken und die Südseite der Bahnsteiganbindung soll realisiert werden, sprich es werden weitere Parkplätze entstehen. Alle unsere Grundschulen erhalten digitale Klassenzimmer und so geht es weiter.

Was sind Ihre persönlichen Wünsche oder Vorsätze? Mir wird regelmäßig geraten, auch mal eine Freizeitphase in meinem Kalender zu berücksichtigen. Das will ich zumindest ein wenig beherzigen.

Möchten Sie die Gelegenheit nutzen sich mit ein paar Sätzen an die Zerbster zu wenden? Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um mich für das große ehrenamtliche Engagement so vieler Menschen in unserer Einheitsgemeinde zu bedanken. Ob in der Denkmalpflege, Kultur, Sozialarbeit, im kommunalpolitischen Ehrenamt, den Feuerwehren, in der Wasserrettung, im Sport, in Innungen, Schulen und Kindertagesstätten, in Kleingarten- und Zuchtvereinen, überall treffen wir auf engagierte Bürgerinnen und Bürger. All das bildet die Grundlage unserer Lebensqualität und fand in diesem Jahr mit der Neuinszenierung des Zerbster Prozessionsspiels mit Sicherheit einen ganz besonderen Höhepunkt. Ein besonderes Dankeschön gilt schon jetzt all jenen, die auch während der Feiertage für uns da sind, in den Kliniken, Rettungsorganisationen, der Polizei oder eben auch beim Winterdienst, falls uns ein weißer Jahreswechsel bevor stehen sollte.

Ich danke für das Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute für das neue Jahr und stets eine glückliche Hand.

Mehr aktuelle News findet Ihr auch unter: www.volksstimme.de


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